Fortbildungen und Vorträge

Die kontroverse Diskussion um die Vorteile und Risiken des Co-Sleepings, also dem Schlafen von Müttern beziehungsweise Eltern und Kind in einem Bett, ist weiterhin nicht beigelegt und wird widersprüchlich geführt. Zudem liegt der Fokus der Debatte häufig auf den potenziellen Gefahren des Co-Sleepings anstelle auf seinem salutophysiologischen Potential, wenn es unter physiologischen Bedingungen stattfindet. Co-Sleeping ist stillförderlich und ein erzwungenes Getrenntschlafen kann den Stillerfolg beeinträchtigen. Dabei wird teilweise bei offiziellen Empfehlungen zu wenig beachtet, welche Bedürfnisse Eltern und Babys haben, um zu einem gesunden Schlaf kommen zu können und wie der Babyschlaf möglichst gesundheitsförderlich gestaltet sein kann, um erfolgreiches Stillen zu unterstützen. 

Mütter mit präexistentem oder Gestationsdiabetes sind häufiger Interventionen in Schwangerschaft und unter der Geburt ausgesetzt. Diese resultieren in eine höhere Rate an operative Geburten sowie anschließend höhere Raten an Stillproblemen. Gerade bei dieser metabolischen Vorbelastung ist eine gelingende Stillzeit aus gesundheitlicher Sicht sowohl für Mütter als auch Kinder noch wichtiger als nach einer gesund verlaufenden Schwangerschaft. Da hierbei Hebammen zu den Hauptansprechpartnerinnen gehören, sind Kenntnisse in dem Zusammenhang bedeutend:

Hintergründe zu Diagnostik und Therapie des Gestationsdiabetes

Unterschiede in nationalen und internationalen Empfehlungen

Umstrittene Aspekte in den aktuellen Procedere

GDM Diagnose und Folgeinterventionen, insbesondere unter der Geburt

Welchen Einfluss haben Interventionen unter der Geburt auf den Stillerfolg?

Welche gesundheitlichen Folgen hat Stillen versus nicht Stillen im Kontext diabetischer Mütter für sie selbst und ihre Kinder?

Welche besonderen Bedürfnisse sind bei diabetischen Müttern in der Stillzeit zu beachten?

Frauen können gebären – können Frauen gebären? Welche Haltung haben wir der Geburt gegenüber im Arbeitsalltag?

Wem kommt welcher Part bei einer Geburt zu? Was hilft uns und was hindert uns, Geburten normal verlaufen zu lassen und nur bei Bedarf zu unterstützen oder einzugreifen?

Geburt ist ein hochkomplexer Vorgang, der nicht nur medizinisch relevanten, sondern auch psychosozialen Einflüssen unterliegt. Viele geburtshilfliche Interventionen sind segensreich im echten Bedarfsfall, können aber auch starke Nebenwirkungen verursachen und Schaden anrichten, wenn sie unnötig eingesetzt werden. Deshalb wäre ihr Einsatz dringend deutlich besser abzuwägen als es sich aktuell in oft gängiger Praxis darstellt. Einer der zunehmenden Treiber vieler Interventionen ist die Defensivmedizin – sie verursacht gesundheitliches Leid und hohe Kosten. Die Bandbreite dessen, was eine physiologische Schwangerschafts – und Geburtsdauer umfasst, ist unklar. In Kreißsälen sind wir oft weit von einer evidenzbasierten Betreuung initial normal verlaufender Geburten entfernt. Die Vermeidung unnötiger Interventionen bedeutet gleichzeitig aktive Notfallvermeidung. Die Nachwirkungen breit angewandter Interventionen können nicht nur die Geburt beeinträchtigen, sondern auch in die Stillzeit hineinragen oder gar langfristige Einflüsse haben.

Hebammen können evidenzbasiertes Wissen dazu nutzen, die normale Geburt zu fördern. Damit tragen sie bedeutend zu einem salutophysiologischen Ansatz des Lebensbeginns bei – der Gesundheitsförderung von Anfang an. Häufig handelt es sich bei den sinnvollen Unterstützungsmaßnahmen um Dinge, die die natürlichen Ressourcen der Frau nutzen. 

Es ist wichtig für uns, zu wissen, welche Interventionen wie solide erwiesen sind und wo die Schaden-Nutzen-Abwägung fraglich ist. Darüber hinaus können wir damit Frauen zu einer informierten Entscheidung verhelfen. 

Die Applikation von synthetischem Oxytocin gehört zu den häufigsten zeitgenössischen Interventionen unter der Geburt – und das seit vielen Jahrzehnten. Dabei hat diese Vorgehensweise reichliche riskante Nebenwirkungen sowohl unter der Geburt als auch für die Stillzeit. Darüber hinaus sind Auswirkungen auf das Sozialverhalten der betroffenen Kinder und Verhaltensstörungen in der Diskussion. Eine strengere Indikation und größere Achtung vor dem individuellen Gebärprozess würde nottun, um den Einsatz eines der gefährlichsten Medikamente deutlich zu reduzieren und die Frauen in den Genuss des Erlebnisses eines wunderbaren körpereigenen Hormons kommen zu lassen – eines der wichtigsten Hormone in allen Phasen der Transition zur Mutterschaft im Besonderen und dem menschlichem Bindungsverhalten im Allgemeinen.

Eine dreiteilige Fortbildung zum Überblick über die gängigsten Themen rund um die Stillbetreuung. Jeder Teil ist auch einzeln möglich.

Jede Art und Dauer des Stillens geht mit gesundheitlichen Vorteilen einher. Beispielsweise ist jegliche Art des Stillens protektiv hinsichtlich Adipositas, was von besonderer Bedeutung ist, wenn man die Gesamtgesundheitsbelastungen dieser Erkrankung einkalkuliert.

Zur Darlegung der aktuellen Empfehlungen zum Stillen werden sowohl die maßgeblichen Empfehlungen für Deutschland als auch der Vergleich internationaler Standards vorgestellt.

Prophylaxen und Handlungsempfehlungen rund um das Thema der entzündlichen Brusterkrankungen inkl. Soor werden vor dem Hintergrund von Leitlinien und Evidenz (AWMF-Leitlinie), aber auch Erfahrungswerten in Bereichen geringer Evidenzlage behandelt. Praktische Techniken im Umgang mit Stillproblemen sowie therapeutische und fördernde Maßnahmen zum Stillerfolg werden ebenfalls betrachtet.

Der zweite Themenblock widmet sich den Ursachen und Therapiemöglichkeiten von Gedeihstörungen sowohl von mütterlicher als auch kindlicher Ursachenseite her.

Der dritte Block widmet sich der Beikosteinführung: Jede verfrühte Zufütterung geht wiederum mit Risiken einher - insbesondere andere Nahrungsaufnahmen als Muttermilch vor dem ersten Stillen (prelacteal feeds). Diese erhöht beispielsweise das Risiko der Neugeborenensepsis. Reifezeichen des Kindes spielen hier eine wichtige Rolle in der Wahl des passenden Zeitpunktes der Beikosteinführung.

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Während unter der Geburt die volle Aufmerksamkeit auf Mutter und Kind liegen, ist im Wochenbett unter Umständen  eine geringere Sensibilität für Komplikationen gegeben, da diese in der Phase auch deutlich seltener auftreten. Eine selten anzutreffende, jedoch lebensgefährliche Situation stellt hierbei die Neugeborenensepsis dar. Fehleinschätzungen in diesem Bereich sind ein erheblicher Risikofaktor für kindliche Morbidität und Mortalität. In diesem Vortrag geht es darum, Risikofaktoren für die frühe und späte Neugeborenensepsis darzustellen, welche Symptome die Hebamme erkennen kann, welches Procedere sie einleiten sollte und welche Behandlungsmethoden vor dem Hintergrund aktueller wissenschaftlich fundierter Handlungsempfehlungen üblich sind.

Überblick über relevante wissenschaftliche Methoden im Hebammenbereich. Vorteile, Chance und Grenzen.

Immer wieder stellt sich die Frage: was bringen Studienergebnisse für die persönliche tägliche Arbeit der Hebammen? Sinnvolle Implementierungsmöglichkeiten von Studienergebnissen sind nicht immer auf den ersten Blick erkennbar. Studienergebnisse lassen sich nur teilweise direkt in die praktische Hebammenarbeit implementieren im Sinne einer neuen Vorgehensweise. Ein Teil stellt Hintergrundinformation dar, die beispielsweise noch einmal bestärken kann, warum beispielsweise Stillen wichtig ist. Nicht jede Information muss in allen Situationen nützlich sein – es ist jedoch von Vorteil, auf einen umfangreichen Fundus an Information als Argumentationsgrundlagen zurückgreifen zu können. Andere Studienergebnisse wiederum können in direkten Zusammenhang zur Arbeit gebracht werden, beispielsweise im Rahmen von Forschung zu Gebärpositionen, Betreuungsbenefits oder Bonding. Je nach Situation ist es zudem wichtig, sich die Frage beantworten zu können, wie ich wissenschaftliche Evidenzen zur forensischen Absicherung nutzen kann, insbesondere bei vom Standard abweichender Vorgehensweise.